Case Story: Vom Softwareproduzenten zum SaaS-Dienstleister
Die Ausgangslage:
Das Unternehmen, eine Tochtergesellschaft eines Medienhauses mit Druckerei und eigenen Verlagen entwickelte und vertrieb eine Software im Bereich Content- Management (CMS) und Produkt Informationsmanagement (PMI). Es wurde in der IT- Blase um die Jahrtausendwende als Spin-Off des Mutterhauses gegründet, war aber nie profitabel. Es drohte auch in Zukunft einen grossen Cash Drain zu verursachen und die Boni des Gruppenmanagements weiterhin zu schmälern. Da das Mutterhaus langfristig etwas aufbauen wollte, um das schwindende Printgeschäft zu kompensieren, entschied man sich die bestehende Organisation zu restrukturieren. Wie man dies bewerkstelligen sollte und ob eine Liquidation der Tochtergesellschaft nicht doch besser wäre, war allerdings im gesamten Unternehmen höchst umstritten.
Die Umsetzung:
Eine detaillierte Analyse ergab, dass eine eigene Softwareentwicklung nicht zielführend sein konnte. Auf unser Anraten und gegen anfängliche Widerstände wurde beschlossen, dieses Geschäft aufzugeben und den Kunden gemeinsam mit Technologie-Partnern Fremd-Software zur Miete über das Internet (ASP / SaaS – Dienstleistungen) anzubieten. So würde man auch die vorhandenen Synergien zum Printgeschäft nutzen können.
Drei neue Produktlinien sollten das Geschäft in Zukunft tragen:
1. Ein mandantenfähiges Content Management und Produkt Informations- Management System
2. Ein Web-to-Print System mit angrenzenden Service-Dienstleistungen
3. Ein web-basiertes Redaktionssystem inklusive Pre-Print-Dienstleistungen
Während des Projektes kristallisierten sich folgende Teilaufgaben heraus:
Rückbau der alten Organisation:
Abbau der bisherigen Aktivitäten und sozialverträglicher Personalabbau
Management der Altlasten und Aufrechterhaltung eines minimalen Services und der Garantiebereitschaft
Auflösung bestehender Vertragsverhältnisse mit Unterlieferanten / Verkauf werthaltiger Assets
Neuausrichtung:
Auswahl der neuen Produktionspartner und Vertragsgestaltung mit neuen Produktionspartnern
Aufbau und Anpassung der IT Infrastruktur intern und mit Technologie-Partnern
Ausbildung und Umschulung der Mitarbeiter
Aufbau des Vertriebs und des Marketings und Einführung der neuen Produkte und Dienstleistungen
Reintegration in die Gruppe:
Integration der Prozesse in den Betrieb der Muttergesellschaft
Umzug in ein neues Betriebsgebäude
Anpassung der internen Regelemente und Mitarbeiterverträge
Das Ergebnis:
Die Entscheidung Software zur Miete anzubieten hat sich im Nachhinein in mehracher Hinsicht als richtig erwiesen:
» 1. Es wurde ein neues Marktpotential erschlossen: Nun konnten sich auch Mittelständler und kleine Unternehmen Systeme leisten, die bisher nur sehr großen Unternehmen vorbehalten waren.
» 2. Die aufkommende Wirtschaftskrise veranlasste auch große Firmen teure Investitionen in eigene Systeme zu vermeiden und statt dessen zu Mietlösungen zu greifen.
» 3. Wollte der Kunde doch Eigentum an einer der Lösungen erweben, so konnte das Unternehmen nun als Wiederverkäufer und Implementierungspartner den Kunden an sich und die Druckerei binden.
Alle Aufgaben konnten zielkonform abgeschlossen werden. Der Cash Drain (der p. a. ca. fünf mal grösser war als das gesamte Interim Manager Honorar) konnte schneller als vorgegeben gestoppt werden. Das Ergebnis war trotz des Aufwandes für den Abbau und den Neuaufbau wesentlich besser als vom Kunden erwartet. Der bisherige Geschäftsführer konnte danach das Unternehmen wieder übernehmen. Allein der ROI des Interim Manager Honorars war innerhalb weniger Wochen erreicht.
Hans-Werner Grotemeyer
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